Viele Hände, eine lange Tafel: Wie das Abschlussfest von „Jetzt Hier – kochen!“ zum Gemeinschaftswerk wurde
Es gibt Abende, an denen wir spüren, dass etwas größer ist als die Summe seiner Teile. Der Abschluss unserer Kochreihe „Jetzt Hier – kochen!“ war so ein Abend. Er war das gemeinsame Werk einer Nachbarschaft, die zusammenkam, um pflanzliche Küche zu feiern.
Von allen Seiten kamen helfende Hände
Schon Stunden vor dem Essen füllte sich die Küche. Angeleitet von den Köchinnen Henrouise Michal von Südafrika smaak und Katarzyna Swendrowski, besser bekannt als Kasia von SecondPlant, standen zeitweise bis zu zwanzig Menschen gemeinsam in der Küche der Blauen Karawane. Sie schnippelten, rührten, schmeckten ab und spülten. Manche waren erfahrene Köchinnen, andere standen zum ersten Mal in einer Großküche. Niemand musste etwas können, um mitzumachen. Es reichte die Lust und Freude, gemeinsam ein köstliches Abendessen schaffen zu wollen.
Das Fest stand unter dem Motto: Rein pflanzliche Fusion-Küche. Gekocht aus Lebensmitteln, die da sind und daraus ein bisschen zaubern. Entstanden ist ein Menü, das die kulinarischen Wurzeln der beiden Köchinnen verband und südafrikanische und polnische Geschmäcker auf einen Tisch brachte. Daaltjies (Erbsenmehltaler) mit selbstgemachter veganer Mayo, polnische Gurkensuppe mit Graupen, Sauerkraut-Pilz-Stew, Potjiekos (Gemüse Schmortopf) mit Pap (Maisbrei), Rote-Bete-Salat und zum Abschluss ein Pink Chai Cake aus Rote Bete und Gewürzen. Engagierte Köchinnen und Köche aus der Nachbarschaft ergänzten das umfangreiche Menü um eigene Beiträge, etwa Kochbanen-Bratlinge oder Mango-Papaya-Saft.
Die Gerichte stammten größtenteils aus geretteten Lebensmitteln von Wochenmärkten oder von Foodsharing Bremen sowie aus dem, was die Menschen zum Fest mitbrachten. So entstand eine prall gefüllte Tafel aus veganen Köstlichkeiten, die gar nicht alle aufgezählt werden können.
Ein Flow, der sich von selbst entwickelte
Was den Abend besonders machte, war der Flow. Niemand hatte einen starren Ablaufplan für das Miteinander in der Küche. Und doch griff alles ineinander. Die einen schnippelten, andere trugen die fertigen Zutaten weiter, wieder andere deckten schon die Tafel, sorgten für Musik oder hielten anderweitig die gute Stimmung am Laufen.
Ein Highlight war die Action-Küche draußen: Auf dem Gaskocher stand eine gußeiserne Riesen-Pfanne von einem Meter Durchmesser. Nach und nach brachten Helfende das geschnippelte Gemüse nach draußen. So konnte Henrouise daraus einen köstlichen Potjiekos, einen Gemüse-Schmortopf auf Kichererbsen-Basis zaubern. Ein wunderbares Bild: Viele Hände schufen ein Gericht, das alle nährte.
Gäste, die zu Gastgebenden wurden
Ab 17 Uhr füllte sich der Saal. Bis zu neunzig Menschen aus der Überseestadt und darüber hinaus nahmen schließlich an der langen, festlich gedeckten Tafel Platz. Bewusst hatten wir uns gegen ein Buffet entschieden. Wir wollten, dass alle an einen Tisch und so auch ins Gespräch kommen. Genau das ist passiert: Es entstanden Gespräche zwischen Menschen, die sich vorher nie begegnet waren. Am Ende des Abends halfen viele mit, den Tisch abzuräumen und zu spülen.
Essen als gesellschaftliches Happening
Essen müssen wir alle, um zu leben. Aber wie wir es heutzutage tun, hat sich verändert. Fertiggerichte, schnelle Snacks und das Essen im Stehen zwischen zwei Terminen gehören für viele zum Alltag. Dabei geht etwas Wesentliches verloren: die Zeit, mit allen Sinnen zu genießen, und der Respekt vor den Lebensmitteln und der Arbeit, die in ihnen steckt. Jede Person in Deutschland wirft laut Statistischem Bundesamt jährlich knapp 75 Kilogramm Lebensmittel weg.
Der Abend hat gezeigt, dass es anders geht. Nachhaltigkeit muss nicht perfekt sein und braucht keine Biobubble. Sie beginnt mit einer Haltung: Verwenden und verwerten, was da ist, Müll vermeiden und dabei Menschen zusammenbringen. Wenn wir gemeinsam essen, verändert sich das Konsumverhalten ganz unwillkürlich. Essen wird dann zu einem geselligen Ereignis mit gesellschaftlicher Wirkung.
Ein großes Danke
Dieser Abend war nur möglich, weil so viele mitgemacht haben: die Köchinnen Henrouise und Kasia mit ihrer einmaligen Expertise im kreativ-nachhaltigen Kochen, das Orga-Team, die Helferinnen und Helfer im Hintergrund beim Schnippeln, Aufbauen und Spülen, die Musiker von Afrock Express, die den Raum mit Funk, Afrobeats und Rock zum Schwingen brachten, engagierte Musikbegeisterte, die die offene Bühne im Anschluss an das Konzert bestiegen und ihre Stücke zum besten gaben. Ein herzliches Dankeschön auch an alle Gäste, die gekommen sind. Wie Kasia treffend formulierte, brauchen die vorhandenen Lebensmittel auch Menschen, die sie verzehren!
Die Workshopreihe fand im Rahmen des Programms „Klimaschutz im Alltag“ statt, das von der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft gefördert wird. Dadurch können wir gemeinsam Wege entdecken, wie nachhaltiges Handeln im Alltag einfach und konkret gelingen kann. Beim Kochfest wurde sichtbar, wie klimafreundliche Ernährung mit regionalen, saisonalen und ressourcenschonenden Zutaten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz leistet, sondern zugleich alltagstauglich, gemeinschaftlich und genussvoll ist.
Text: Camilla Zimmer Lopez, Quartierstreff Jetzt Hier
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